Praktische Prüfung AEVO — Ablauf, Inhalte und Tipps

Was erwartet dich im praktischen Teil der AEVO-Prüfung? Hier erfährst du alles über Ablauf, Bewertungskriterien und wie du die Unterweisungsprobe optimal vorbereitest.

15
Min. Vorbereitung
15+
Min. Durchführung
4
Stufen der Methode
3
Prüfer im Ausschuss

Was ist der praktische Teil der AEVO-Prüfung?

Der praktische Teil ist der zweite Pflichtbestandteil der AEVO-Prüfung nach §2 AEVO. Er findet nach dem bestandenen schriftlichen Teil statt und testet, ob du eine Ausbildungssituation methodisch korrekt gestalten kannst — nicht nur theoretisches Wissen abrufst.

  • Pflichtbestandteil der AEVO-Prüfung nach §2 AEVO
  • Nur nach bestandenem schriftlichen Teil
  • 15 Minuten Vorbereitungszeit
  • Mindestens 15 Minuten Durchführung + Fachgespräch
  • Prüfungsausschuss: 3 Prüfer (IHK-Prüfungsausschuss)
  • Zentrales Kriterium: korrekte Anwendung der 4-Stufen-Methode
Hinweis: Der praktische Teil prüft, ob du die Methodik der Ausbildung beherrschst. Die 4-Stufen-Methode der Unterweisung ist das wichtigste Bewertungskriterium.

Die 4-Stufen-Methode — das Kernstück

Die 4-Stufen-Methode der Unterweisung ist das zentrale Element des praktischen Prüfungsteils. Zeige alle vier Stufen deutlich und bewusst:

1
Vorbereiten
Lernziel nennen, Vorwissen aktivieren, Interesse wecken
2
Vormachen
Ausbilder zeigt & erklärt Schritt für Schritt
3
Nachmachen lassen
Auszubildender führt aus, Ausbilder beobachtet & korrigiert
4
Üben lassen
Selbstständiges Üben, Ausbilder begleitet aus der Distanz

Ablauf der praktischen Prüfung

  1. Thema zugewiesen bekommen oder selbst wählen
    Je nach IHK erhältst du ein Thema oder kannst eines aus deinem Berufsfeld mitbringen. Wähle eine Situation, die du gut kennst und die sich für 15 Minuten Unterweisung eignet.
  2. 15 Minuten Vorbereitungszeit
    Du bereitest die Unterweisung vor — Lernziel formulieren, Phasen planen, Materialien bereitstellen. Notizen sind meist erlaubt, aber kein Internet.
  3. Durchführung der Ausbildungssituation (mind. 15 Min.)
    Du unterweist einen "Auszubildenden" (oft eine Person aus dem Prüfungsausschuss oder ein Mitprüfling) nach der 4-Stufen-Methode. Der Ausschuss beobachtet und bewertet.
  4. Fachgespräch im Anschluss
    Der Prüfungsausschuss stellt Fragen zur Methodik, Lernpsychologie und rechtlichen Grundlagen. Typische Fragen: "Welche Lernmethode haben Sie angewendet?" oder "Wie würden Sie auf Lernstörungen reagieren?"
  5. Bewertung und Ergebnis
    Bewertung durch den Prüfungsausschuss nach einheitlichen Kriterien. Das Ergebnis erfährst du meist noch am gleichen Tag.

Typische Themen im Fachgespräch

Methodik & Lernprozesse

  • Warum diese Methode gewählt?
  • Wie reagieren auf Lernstörungen?
  • Welcher Lerntyp könnte Schwierigkeiten haben?

Rechtliche Grundlagen

  • Pflichten des Ausbilders (BBiG)
  • Jugendschutz am Arbeitsplatz
  • Ausbildungsvertrag und Probezeit

Ausbildungsplanung

  • Wie erstellt man einen Ausbildungsplan?
  • Wie werden Ausbildungsziele formuliert?
  • Welche Lernorte gibt es?

Beurteilung & Feedback

  • Wie beurteile ich Auszubildende fair?
  • Welche Beurteilungsfehler gibt es?
  • Wie führe ich ein Feedbackgespräch?

Tipps für die praktische Prüfung

  1. Ausbildungssituation sorgfältig wählen
    Wähle eine Situation, die du wirklich kennst — aus deinem eigenen Berufsfeld. 15 Minuten Unterweisung muss sinnvoll füllbar sein. Gute Beispiele: eine Tätigkeit erlernen, eine Arbeitsunterweisung zu Sicherheitsthemen, eine kaufmännische Aufgabe.
  2. Alle vier Stufen klar zeigen
    Nenne die Stufen nicht nur — lebe sie. Sage beim Vormachen: "Ich zeige Ihnen jetzt..." und beim Nachmachen lassen: "Jetzt führen Sie das bitte selbst durch..."
  3. Lernziel zu Beginn formulieren
    Benenne klar: "Das Lernziel dieser Unterweisung ist, dass Sie am Ende..." — das zeigt dem Prüfungsausschuss, dass du methodisch vorgehst.
  4. Lernenden aktiv einbeziehen
    Stelle Fragen, hole Vorwissen ab, lobbe richtige Schritte. Passivität des "Auszubildenden" ist ein Bewertungsminus.
  5. Fachgespräch vorbereiten
    Übe Antworten auf typische Fachgesprächsfragen. Besonders: Beurteilungsfehler, Lerntheorien, BBiG-Grundlagen (Probezeit, Kündigung, Vergütung).
Wichtig: Der praktische Teil lässt sich nicht nur durch Quiz-Üben vorbereiten — führe mehrere Probeunterweisungen mit Freunden, Kollegen oder Familienmitgliedern durch. Praxis ist hier entscheidend.

Was passiert bei Nichtbestehen des praktischen Teils?

Wer den praktischen Teil nicht besteht, muss den schriftlichen Teil nicht wiederholen. Nur der praktische Teil wird erneut abgelegt.

  • Wiederholung jederzeit möglich — keine langen Sperrfristen
  • Wiederholungsgebühr ist in der Regel reduziert
  • Wiederholung kann bei jeder IHK in Deutschland abgelegt werden

Weiterführende Themen

Praktische Prüfung selbstbewusst bestehen

Übungsfragen zu Methodik, Lernpsychologie und Recht — die theoretische Basis für den praktischen Teil.

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